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von Tom Waurig

Psychologe Welzer will sein Land aufrütteln

Identität

Den ersten Aufschlag unternimmt der 57-Jährige in Hamburg. (Foto: Rat für Nachhaltige Entwicklung)

Jede große Idee braucht einen Anfang. Visionen hat Harald Welzer ohne Zweifel viele, den Erfolg seines neuesten Einfalls nimmt er gleich selbst in die Hand. Es geht, derzeit völlig überraschend, um Deutschlands Flüchtlinge. Bislang hat der gebürtige Hannoveraner den Nationalsozialismus anhand sozialpsychologischer Kriterien untersucht oder das Besitzstreben in Westeuropa kritisiert. Welzer ist Mitbegründer einer Stiftung, die sich mit alternativen Lebensstilen und neuartigen Wirtschaftsformen beschäftigt – ein Visionär eben.

„Zwei epochale Geschehnisse“ gaben letztendlich den Ausschlag für das neue Vorhaben des 57-Jährigen: die Angriffe des islamistischen Terrorismus und die globalen Flüchtlingsbewegungen. Beides treffe Europa und seine einzelnen Staaten in ihrem Selbstverständnis und ihrer Identität. Nicht weniger als die Antwort auf die Frage, welches Land wir sein wollen, will Welzer finden. Ihm schwebt eine Reihe von Versammlungen vor, auf denen die Deutschen im ganzen Land zusammenkommen und miteinander sprechen und eine Antwort finden.

Einen ersten Aufschlag unternimmt der Professor für Transformationsdesign am Donnerstag in Hamburg. „Eingeladene Gäste geben kurze Statements, dann wird im Saal diskutiert“, erklärt Welzer sein denkbar einfaches Format. Mit an Bord sind der Architekt Van Bo Le-Mentzel, Jurist Reinhard Merkel und die Literaturjournalistin Elisabeth von Thadden. Weiter geht es in Frankfurt, München, Köln und natürlich Berlin. Im nächsten Jahr stehen bereits acht Städte auf dem Programm, weitere sollen folgen.

Welzer wünscht sich vor allem belastbare Aussagen, ohne die Radikalen und fernab des Internets. Deshalb löhnt das Publikum, so die Theorie, auch den einen oder anderen Euro, um teilzuhaben. Zum ersten Mal debattiere eine Gesellschaft über sich selbst, in allen größeren Städten des Landes, in den Wochen vor und nach Weihnachten. Welzer hofft trotz neuer Wege auf anhaltendes Interesse und schickt eine kernige Botschaft vorn weg: „Die Frage, welches Land wir sein wollen, ist zu wichtig, um in parteipolitischem Kalkül zerrieben zu werden“.

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