Aktuelles Magazin

von Tom Waurig

"Ein herrlicher Schabernack"

Kiki Klugscheißer und der Grafikhool: eine linguistische Eingreiftruppe. (Foto: Peter van Heesen)

Was unternimmt man gegen Internethass? Ironie und Provokation sind zweifellos eine aussichtsreiche Möglichkeit, dazu ein modernes Auftreten. Ein Aufeinandertreffen mit den „Hooligans gegen Satzbau“ – eine Graswurzelbewegung, die weiter wächst.

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Ein dunkler, verlassener S-Bahnhof in Berlin – irgendwo zwischen Spandau und Köpenick. Die Masken sitzen straff, am weißen Stoff treten einzelne Gesichtspartien hervor. Nur ein schmaler Schlitz zeigt die grimmigen Augen. Die Szenerie wirkt provokant, in gewisser Weise angsteinflößend. Doch Grund zur Sorge gibt es eigentlich nicht. Die „Hooligans gegen Satzbau“ haben für sich eine ziemlich präzise Beschreibung gefunden: ein Online-Nachhilfeinstitut für meinungsmanipulierende, aufrechtdeutsche Stimmungsmacher. Aber der Reihe nach: Kiki Klugscheißer und der Grafikhool, die Avatar-Namen der zwei Initiatoren, sind eine linguistische Eingreiftruppe, die plumpe Fehltritte im Netz aufspüren und sprachlich korrigieren.

Ihr einprägsames Äußeres haben die selbsternannten Hooligans, die mit dem rowdyhaften Fußballanhang nichts gemein haben, aus einer längst vergangenen Epoche adaptiert, umgedeutet und perfektioniert. Ein weißer Kreis auf rotem Grund ziert ein schwarzes Häkchen. Die Gründungsgeschichte ist einigermaßen kurz, dafür aber recht prägend. Als sich im Oktober 2014 3000 Randalierer unter dem Namen „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) am Kölner Hauptbahnhof versammelten und die Rheinmetropole in ein wahres Schlachtfeld verwandelten, ging bei vielen die Angst um. Der Männerpulk: eine Mischung aus gewaltaffinen Fußballfans und Neonazi-Milieu, häufig kahlrasiert und breitschultrig. Im Netz gingen die Diskussionen weiter – hasserfüllt und rassistisch.

Anfangs hätten Kiki und Grafik, noch unter Klarnamen kommentiert, bis die Drohungen zu viel und zu heftig wurden. Andererseits habe es auch viele motivierende Momente gegeben. Beide gingen wenig später in den Untergrund des Aktiv-Seins, um zwar anonym, aber weiterhin ein Gegenpol zu sein – die Netzguerilla war geboren. „Wir haben schnell festgestellt, dass Argumente wenig bringen, aber sich bei der deutschen Möchtegern-Elite haarsträubende Rechtschreibfehler einschleichen.“ Die Sprachkultur sei das erste, was die Internet-Hetzer in einer hitzigen Diskussion nicht mehr ganz so genau nehmen – gewichtiger ist es doch, die eigene Position mit möglichst vielen Versalien und Satzzeichen herauszuheben. Anfangs haben sich die „Hooligans“ rhetorische Perlen ... [weiterlesen]

Die komplette Geschichte über die „Hooligans gegen Satzbau“ und was Engagierte gegen den Hass im Netz tun, lesen Sie in der neuen Ausgabe des Couragiert-Magazins.

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