Aktuelles Magazin

von Tom Waurig

„Kein Katastrophenszenario zeichnen“

Klaus Schroeder lehrt er am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. (Foto: Peter van Heesen)

Nach den G20-Krawallen ist linker Extremismus wieder ins Problembewusstsein der Deutschen gerückt. Doch welche Gefahr geht von der Szene aus? Nachgefragt beim Berliner Politikwissenschaftler Klaus Schroeder.

Couragiert-Magazin: Herr Schroeder, nach dem G20-Gipfel in Hamburg gab es eine große Hysterie um Linksextremismus. Wie groß ist die Bedrohung wirklich?

Klaus Schroeder: Das Bedrohungspotential ist aufs Ganze gesehen eher gering, im konkreten Fall von Hamburg allerdings recht groß. Wo gewaltbereite Linke zuschlagen, bleibt meistens nicht mehr viel stehen. Die Ausschreitungen rund um G20 sind dennoch keine neue Form der Gewalt; die hat es schon seit den Sechzigern immer wieder in mehreren westdeutschen Städten gegeben. Aber die Bundesrepublik ist deshalb nicht bedroht, dafür ist die Bedeutung der Szene zu marginal. Die gewaltorientierten Linken können den Staat nicht aus den Angeln heben, auch wenn sie durchaus solchen Großmachtfantasien nachhängen. An dieser Stelle überschätzen sie sich selbst. Man sollte also kein Katastrophenszenario zeichnen, sondern die Szene realistisch einschätzen.

Was ist mit den Bahnanlagen, die im Vorfeld des G20-Gipfels angegriffen worden sind?

Anschläge sind ein häufig gewähltes Mittel, um gegen politische Gegner oder unliebsame Personen vorzugehen. Die Angriffe auf Bahnanlagen allerdings gehen weiter und sind schon eine Vorstufe von Linksterrorismus, weil diese gezielten Anschläge das System lahmlegen sollen.

Der Begriff Linksextremismus dient oft auch als Kampfbegriff. Wie könnte eine Definition lauten?

Ich würde zwischen gemäßigt, radikal und extremistisch unterscheiden. Zu den gemäßigten Linken zählen etwa Mitglieder bei SPD und den Grünen, die Reformen propagieren und den Sozialstaat vergrößern wollen. Radikale Kräfte gehen da noch einen Schritt weiter und wollen ... [weiterlesen]

Warum sich Linkssein zwischen Rebellion, Solidarität und Protest bewegt und was eine zeitgenössische linke Identität ausmacht, lesen Sie in der neuen Ausgabe des Couragiert-Magazins.

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