Aktuelles Magazin

von Tom Waurig

Wenn Flüchtlinge eine Stimme bekommen

Asyl-Monologe

Bis heute ist das Ensemble 350 Mal in über 200 Städten aufgetreten. (Foto: Bühne für Menschenrechte)

Amadeu Antonio Kiowa gilt als eines der ersten Opfer rassistischer Gewalt nach der deutschen Wiedervereinigung. Im Winter 1990 wurde der Angolaner von einer Gruppe Neonazis überfallen und brutal zusammengeschlagen. Einer der Täter sprang dem am Boden liegenden Kiowa mit beiden Füßen auf den Kopf. Elf Tage später, am 6. Dezember, erlag er seinen Verletzungen im Krankenhaus. Das Gericht verhängte Haftstrafen von maximal vier Jahren.

Am 25. Todestag verliehen die Amadeu Antonio Stiftung und die Stadt Eberswalde erstmals einen Preis an soziokulturelle Projekte, um deren aktive Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus oder Migration zu würdigen. Zum Gewinner des mit 3000 Euro dotierten Preises kürte die Jury die „Bühne für Menschenrechte“, „weil es Flüchtlingen ganz wörtlich eine Bühne bietet“.

Bei dem Projekt handelt es sich um einen Zusammenschluss professioneller Schauspieler, die in Theaterstücken Geschichten von Asylsuchenden erzählen, die Grenzen überwunden, ein „Nein“ nie als Antwort akzeptiert und unter aussichtslosen Bedingungen immer weiter gemacht haben.

Heute wurde in Eberswalde der Amadeu Antonio Preis für kreatives Engagement für Menschenrechte und gegen Rassismus und...

Posted by Amadeu Antonio Stiftung on Freitag, 4. Dezember 2015

Die selbstkreierten Asyl-Monologe erzählen von Ali aus Togo, von Freunden liebevoll „Präsident“ genannt, Felleke aus Äthiopien, der seine Abschiebung verhindert und dem nur wenig später ein Menschenrechtspreis verliehen wird, und Safiye, die sich nach Jahren der Haft in der Türkei und einer absurden Asylablehnung für das Lebensbejahendste überhaupt entscheidet: sie schenkt einem Sohn und einer Tochter das Leben. Bis heute ist das Ensemble 350 Mal in über 200 Städten aufgetreten. In diesem Jahr spielen sie noch einmal in Frankfurt am Main.

Ein weiterer Preis ging an die Antilopen Gang. Mit ironisch-bissigen Songs kommentieren die Rapper das Erstarken rechtsextremer und antisemitischer Tendenzen in Deutschland. Ihr Song „Beate Zschäpe hört U2“ illustriert auf brillante Weise den mörderischen Höhepunkt des NSU. Auch die Aktionskünstler des Zentrums für Politische Schönheit wurden ausgezeichnet, die mit öffentlichen Aktionen immer wieder für Kontroversen sorgen.

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