Aktuelles Magazin

von Tom Waurig

„Wir können unsere Popularität nutzen“

Jérôme Boateng

Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng im Couragiert-Interview. (Foto: Witters GmbH)

AfD-Bundesvize Alexander Gauland löst mit einer abwertenden Äußerung über Jérôme Boateng Empörung aus. Was der Fußball-Weltmeister über Rassimus denkt und wie er damit umgeht, erzählte er vor einiger Zeit im Couragiert-Interview.

Couragiert-Magazin: Herr Boateng, Sie sind in Ihrer Kindheit rassistisch beleidigt worden. Wie haben Sie gelernt damit umzugehen?

Das ist mit der Zeit gekommen. Ich habe mich gewundert, was die von mir wollen. Ich habe gelernt, dass es mich provozieren sollte. Und ich habe gelernt, dass es wirkungsvoller ist, sich nicht provozieren zu lassen. Damit erreicht man viel mehr und stellt die bloß, die stänkern. Aber natürlich muss man auch gegen halten. Das erfordert in einigen Situationen auch Mut.

Sie engagieren sich in verschiedenen Antirassismus-Projekten. Was geben Sie den jungen Leuten mit auf den Weg?

Vor allen Dingen Respekt zu haben vor Menschen. Das versuche ich auch meinen Kindern, die ja noch sehr jung sind, mit zu geben.

Rechtsextreme Fans sind auch in Fußballstadien ein Problem. Ihr Bruder ist wegen rassistischen Anfeindungen aus Italien zurück nach Deutschland gekommen. Was können Sie als Profi dagegen unternehmen?

Wir können uns in Projekten engagieren, so wie ich das als Pate einer Schule ohne Rassismus in Fürstenfeldbruck (Stadt im Süden Bayerns, Anm. d. Red.) tue oder auch als Botschafter des Jahres gegen Rassismus der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Wir können unsere Popularität dazu nutzen auf das Thema aufmerksam zu machen. Wir müssen uns äußern, wenn das Thema zu Sprache kommt. Und wir können es auch zeigen durch viele kleine Aktionen, ich denke da nur an Dani Alves, der die Banane isst, die nach ihm geworfen wurde, und was danach alles im Netz abging, wieviel Profis da mitgemacht haben.

Es gibt neben Ihnen noch eine Reihe anderer Nationalspieler mit ausländischen Wurzeln. Hat die deutsche Nationalmannschaft eine Vorbildfunktion?

Ganz sicher, und wir machen auch viel. Der DFB ist da in meinen Augen schon vorbildlich mit seinen Aktionen.

Studien belegen, dass der Nationalstolz während einer Fußball-WM die Ausländerfeindlichkeit fördert. Wie haben Sie die WM-Euphorie erlebt?

Auf keinen Fall ausländerfeindlich. Schauen Sie sich nur den Empfang in Berlin an – und denken Sie an die WM in Deutschland. Das hat Toleranz doch eher gefördert.

Das Interview führte Tom Waurig.

Dieser Text ist eine kostenfreie Leseprobe aus der Dezember-Ausgabe 2014. Sie wollen ab sofort keine Ausgabe mehr verpassen? Zum Kennenlernen empfehlen wir Ihnen unser aktuelles Heft.

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