Aktuelles Magazin

von Daniel Kraft

Die Brücke ist eingestürzt

Verständigung

Das war ein schweres „Ja“ - eines, das traurig stimmt. Am letzten Mittwoch habe ich mich als Mitglied des Kuratoriums der Entscheidung des Vorstands der Brücke/Most-Stiftung angeschlossen und für die Aufgabe der operativen Tätigkeit der Stiftung gestimmt.

Diese Brücke hat in den letzten Jahrzehnten viel zur deutsch-tschechischen Zusammenarbeit, der politischen Bildung in Sachsen und zur Entwicklung der Dresdner Stadtgesellschaft beigetragen. Und diese Brücke fand sich harmonisch in die Flusslandschaft an der Elbe ein. Sie trug tausende von Menschen von der deutschen auf die tschechische Seite, machte Begegnung möglich. Und wer über sie ging, der wusste, dass er stets trockenen Fußes ans andere Ufer kam. Sie überstand auch die Jahrhundertflut 2002 und über viele Jahre schien es so, als wache der heilige Nepomuk - Schutzpatron Böhmens, Prags und Brückenheiliger - über das Wohl dieser besonderen Brücke.

Für mich war sie aber nicht nur das: sie war meine Brücke ins Berufsleben. Ich durfte an der ersten großen Ausstellung „Kde domov můj – Wo ist meine Heimat“ der Stiftung mitarbeiten, das Konzept für das Brücke-Zentrum entwickeln, das Tagungshaus aufbauen und leiten und Prag-Kontakt von der Idee zum anerkannten Angebot begleiten.

Es kommt mir vor wie gestern, wenn ich an die unzähligen Seminare und Begegnungen in der Villa und im Gästehaus mit wunderbaren Menschen aus Deutschland, Tschechien und ganz Europa zurückdenke. Vieles von dem, was ich damals erlebte, prägt mich bis heute. Zu wissen, dass diese Begegnungen nicht fortgesetzt werden, schmerzt. Wir hätten die Brücke/Most-Stiftung mit ihrer aktiven Projektarbeit weiterhin im deutsch-tschechischen Verhältnis, in der deutschen Stiftungslandschaft, in der sächsischen politischen und kulturellen Bildung und in der Stadt Dresden gebraucht. An vielen dieser Stellen wird der Übergang von nun an schwieriger.

Diese Brücke fehlt schon jetzt!

Daniel Kraft ist Pressesprecher der Bundeszentrale für politische Bildung. Bis 2005 lebte er in Dresden, wo er für die Brücke/Most-Stiftung zur Förderung der deutsch-tschechischen Verständigung arbeitete.

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