Aktuelles Magazin

von Tom Waurig

Weniger witzig, sondern ernst

Editorial

Der Trump-Clan versteht eines exzellent – die Inszenierung. „Ich glaube, ich bin Feministin, ich glaube an Gleichstellung der Geschlechter“, gestand Amerikas Präsidententochter Ivanka Trump bei ihrem G20-Frauengipfel-Kurzauftritt Ende April in Berlin. Kanzlerin Merkel hingegen blieb zurückhaltend, zögerte bei der Frage, ob sie sich diesen Titel zuschreiben würde. Trumps Bekenntnis kam, sagen wir, unvorhergesehen – oder besser: aus heiterem Himmel. Vater Donald ist in den ersten Monaten der Vierjahresamtszeit nicht gerade mit seinem Bemühen um Frauenrechte aufgefallen (Seite 14). Dass Glauben und Wissen also recht weit auseinander liegen können, sei damit wieder einmal bewiesen. Grund genug aber, um zu fragen, wie es um den Feminismus steht – das Einsetzen für Gleichberechtigung und gegen Sexismus. Für Frauen war Feministinsein lange kein Kompliment, inzwischen ist es angesagt und kommerzialisiert. Es gibt ihn im Netz zu kaufen, als politische Botschaft ohne Inhalt.

Dabei wäre eine ernsthafte Diskussion nötig – gerade jetzt, wo Feminismus und Gender am rechten Rand offensichtlich zum Feindbild geworden sind. Doch es stört meistens nur die, die auch betroffen sind. Ansonsten wird gewitzelt, kleingeredet (Seite 20), lieblos diskutiert oder man empört sich über das Frauenbild »der Fremden« (ab Seite 10). Der Aufschrei um die anzügliche Bemerkung des Ex-FDP-Spitzenkandidaten Brüderle war recht schnell wieder vergessen, auch kaum jemand störte sich an den Morddrohungen, weil Lann Hornscheidt geschlechtsneutral als Profx. angesprochen werden möchte und selbst die Aussage des polnischen EU-Abgeordneten Janusz Korwin-Mikke, dass Frauen grundsätzlich schwächer, kleiner und weniger intelligent seien, blieb vielen verborgen. Auch wenn sich also vieles verändert hat, propagieren doch gerade Europas Rechtspopulisten eine neue Rückwärtsgewandtheit – Frauen wie Männer. Feminismus ist deshalb wieder gefordert und das mehr denn je.

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