Aktuelles Magazin

von Tom Waurig

Ausgezogen, um aufzuklären

Straßengezwitscher

Im Oktober dieses Jahres richten Johannes Filous und Alexej Hock ihren ersten Kongress aus. (Foto: PR)

Als im Frühjahr 2015 einige hundert Pegida-Demonstranten versuchen, ein Protestcamp von Geflüchteten vor der Dresdner Semperoper anzugreifen, beginnen Johannes Filous und Alexej Hock live über die dramatischen Szenen zu twittern. Seitdem berichten die beiden Studenten auf dem Kurznachrichtendienst als „Straßengezwitscher“ über rechtsextreme Demonstrationen und rassistische Übergriffe in Sachsen - Freital, Meißen, Heidenau, Clausnitz oder Dresden.

Über 5500 Tweets sind in den letzten eineinhalb Jahren zusammengekommen. Oft waren sie schneller als andere Medien. Der Twitterkanal entwickelte sich infolgedessen zu einer der wichtigsten Informationsquellen und wurde mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.

Mittlerweile gibt es kleine Redaktionen in Dresden, Leipzig und Chemnitz, um die Netzgemeinde über gesellschaftliche Entwicklungen zu informieren. „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen nicht unwidersprochen und unentdeckt verbreitet werden“, erklären die Macher. Auch ein Verein wurde gegründet, um „die unabhängige und zeitnahe Berichterstattung von aktuellen Ereignissen zu ermöglichen und das bürgerliche Engagement für die Demokratie zu fördern“.

Im Oktober dieses Jahres richten Filous und Hock zudem ihren ersten Kongress aus. Unter der Überschrift „2gather – gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ laden sie in die sächsische Landeshauptstadt. Zum Kreis der Referenten gehört auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.

„Der Kongress thematisiert die Rolle der Zivilgesellschaft, der Kunst, des Journalismus und der Politik im Umgang mit rechtspopulistischen und -radikalen Bewegungen“, so die Veranstalter. Über zwei Tage finden dazu im Festspielhaus Hellerau verschiedene Podiumsdiskussionen und Workshops statt. Es werden gut 200 Gäste erwartet.

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