Aktuelles Magazin

von Tom Waurig

Ein doppelter Gewinn

AIAS AOSMAN

Aias Aosman (links) freute sich über sein erstes Tor für Dynamo Dresden. (Foto: © Dehli-News / Dennis Hetzschold)

Anerkennendes Nicken erntete Aias Aosman für seinen ersten Auftritt in Schwarz-Gelb. Im weiten Rund des Dynamo-Stadions machte sich Zufriedenheit breit. Der gebürtige Syrer kickt in der neuen Spielzeit für den ambitionierten Dresdner Traditionsklub. Alles andere als der Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga wäre eine Enttäuschung für den achtmaligen DDR-Meister. Aosman, der von Regensburg an die Elbe gewechselt ist, soll als neuer Spielmacher entscheidend dazu beitragen, erhofft sich die Klubführung vom dribbelstarken Mittelfeldmann.

Auch menschlich ist der 22-Jährige eine Bereicherung für das Team von Trainer Uwe Neuhaus. „Wer ihm nach seinem ersten Tor für Dynamo zujubelt, sollte sich bewusst sein, dass der feine Techniker als Fünfjähriger mit seinen Eltern hier Asyl suchte und zunächst in einem Heim in Bremerhaven unterkam“, verdeutlicht die Sächsische Zeitung in ihrem Aosman-Porträt. Mit seinem Premierentreffer hatte er nicht nur die euphorische Dresdner Fanschar in kollektiven Jubel versetzt, sondern auch den Torreigen eröffnet, der zum ersten Saisonsieg führte.

Während der andauernden asylkritischen Pegida-Proteste in der sächsischen Landeshauptstadt sind immer wieder Diskussionen um sympathisierende Dynamo-Fans laut geworden, die sich in Vereinskluft unter die Demonstranten mischten und an vorderster Front mitgrölten. Auch die neuerlichen Proteste vor der Zeltstadt und die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte sind Aosman nicht verborgen geblieben, auch wenn er sich im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung nicht dazu äußern wollte.

Erst am Dienstag nahm der ehemalige Bundesligaprofi Hans Sarpei die aktiven Sportler in die Pflicht, sich zu Rassismus, Flüchtlingen oder Notunterkünften zu äußern, weil ihnen alle fünf Minuten eine Kamera oder ein Mikrofon vor die Nase gehalten werde. Außerdem kritisierte er die Vereine für ihren zaghaften Umgang mit gesellschaftlichen Themen. Ähnlich äußerte sich WM-Held Jérôme Boateng im Couragiert-Interview Anfang des Jahres. Die Welt kann auch Aosman nicht verändern, aber vielleicht den einen oder anderen zum Nachdenken bringen.

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