Aktuelles Magazin

von Tom Waurig

Wenn die Filterblase platzt

BUSTOUR

Shai Hoffmann tingelt mit einem ausrangierten Doppeldeckerbus durch die Republik. (Foto: Peter van Heesen)

Eine Woche vor der Bundestagswahl fährt Shai Hoffmann mit einem Dutzend Aktivisten und in einem roten Doppeldeckerbus durch deutsche Landstriche, so der Plan. Er will Menschen treffen, die sich nicht mehr ernstgenommen fühlen, und vor allem eins: ihnen zuhören.

Mit der Frage nach seiner Telenovela-Vergangenheit hat Shai Hoffmann irgendwie gerechnet – seine Mimik schwankt zwischen Schmunzeln und Augenrollen. Vor seinem BWL-Studium stand der heute 35-Jährige für GZSZ oder Verliebt in Berlin vor der Kamera, häufig in kleineren Gastrollen. In der ARD-Vorabendserie Verbotene Liebe spielte Hoffmann ein Jahr die Rolle des Fabian Brandner, ein junger, ambitionierter Künstler, der wegen familiärer Streitigkeiten schließlich nach Australien auswandert. Danach kehrt auch Hoffmann der Schauspielerei den Rücken, ging 2009 zum Radio und gründete eine eigene Plattenfirma. Mittlerweile versteht er sich selbst als Social Entrepenuer, als Unternehmer mit sozialer Vision. Vor vier Jahren übernahm Hoffmann ein nachhaltiges Schuhprojekt von seinem Freund Van Bo Le-Mentzel, eines deutschen Architekten, der mit Hartz-IV-Designermöbeln bekannt wurde.

Shai Hoffmann vertreibt Sneaker und Rucksäcke, die aus Bio-Baumwolle gefertigt und auch fair trade gehandelt werden, ist außerdem Fachmann für Crowdfunding, Dozent an der Hochschule, Facebook-Blogger und hält Vorträge. Im Bundestagswahljahr hat er sich eine besondere Aufgabe gestellt: Mitte September will der Berliner mit einem alten, ausrangierten Doppeldeckerbus aus den Siebzigern durch kleinere Städtchen tingeln, um sich auf den Märkten über Wünsche, Hoffnungen oder Befürchtungen der Menschen dort zu unterhalten. 1600 Kilometer in 14 Tagen heißt die Vorgabe, Apolda, Kassel, Dortmund oder Neuruppin die Stationen. Mit dem Aufkommen von Pegida und der AfD gab und gibt es immer wieder neue Versuche, diejenigen, die sich abgehängt fühlen, zu verstehen und mit ihnen einen Dialog zu finden – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg … [weiterlesen]

Wie die Idee zur Bustour entstand und warum Shai Hoffmann einen Teil seiner Gefährten gar nicht persönlich kennt, lesen Sie in der neuen Ausgabe des Couragiert-Magazins.

Zurück

Das könnte Sie auch interessieren

Advertorial

„Über Nacht war alles anders“

Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping hat die Probleme der Nachwendezeit zu ihrem Thema gemacht. Sie reist durch den Freistaat und trifft Menschen, die sich abgehängt fühlen. Ein Gespräch über das ostdeutsche Seelenleben.

[...]
INTERVIEW LAN BÖHM

Gespräche wirken besser als Labels

Um sich Populisten in den Weg zu stellen, werde es auch neue Konzepte in der politischen Bildung brauchen, sagt die Leiterin des Programms „Zusammenhalt durch Teilhabe“. Was sie damit meint, erklärt Lan Böhm im Interview.

[...]
Porträt

Ist das noch Punkrock?

René Jalaß sitzt seit zwei Monaten im sächsischen Landtag und ist der Paradiesvogel unter den Abgeordneten. Wie der Politiker von heute aussehen muss und was der Parlamentsneuling an der Drogenpolitik reformieren will. Ein Porträt.

[...]
Mehmet Şenel

„Kampf um die Köpfe der Jugendlichen“

Warum radikalisieren sich junge Menschen und geben sich religiösen Fanatikern hin? In Frankfurt arbeiten Universität und Moscheegemeinden zusammen, um das zu verhindern und einen Gegenentwurf zum gewaltbereiten Salafismus zu bieten.

[...]
Um die Nutzung unserer Website zu erleichtern, verwenden wir „Cookies“ und die Analyse-Software „Piwik“. Mehr dazu ...