Aktuelles Magazin

von Susanne Kailitz

Gespräche wirken besser als Labels

INTERVIEW LAN BÖHM

Lan Böhm leitet die Regiestelle des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“. (Foto: PR)

Kräfte bündeln und nicht nachlassen: So lässt sich der Appell an die vielen Engagierten in Sachsen zusammenfassen, der von der Jahreskonferenz des Demokratie-Zentrums ausging. Mehr als 150 Teilnehmer haben diskutiert, wie sich staatliche und nichtstaatliche Akteure besser vernetzten können, um sich Populisten in den Weg zu stellen. Dass es dafür auch neue Konzepte in der politischen Bildung braucht, betonte Lan Böhm in ihrem Impulsreferat. Couragiert hat die Leiterin des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ gefragt, was sie damit meint.

Couragiert-Magazin: Frau Böhm, auf der Jahreskonferenz des Demokratie-Zentrums in Sachsen, bei der Anfang Juni viele Engagierte zusammengekommen sind, haben Sie davon gesprochen, es brauche neue Konzepte für die politische Bildung. Warum?

Lan Böhm: Weil wir sehen, dass wir momentan bestimmte Zielgruppen nicht erreichen. Das heißt nicht, dass das, was wir in der Vergangenheit getan haben, ganz falsch war - aber wir müssen uns fragen, wie wir an die Menschen herankommen, die sich vom politischen System und demokratischen Werten insgesamt nicht angesprochen fühlen. Wir brauchen da neue Konzepte, sehr stark für den ländlichen Raum, aber auch für die Städte. wir müssen an die Menschen mit Migrationshintergrund ran, genauso wie an die Älteren.

Können dabei Programme wie „Zusammenhalt durch Teilhabe“ wirken, dessen Regiestelle Sie seit Anfang des Jahres leiten?

Davon bin ich fest überzeugt. Unser Ansatz ist es, mit den Menschen zusammenzuarbeiten, die innerhalb ihrer Organisationen mit den Strukturen, Abläufen und Hierarchien vertraut sind. Die sprechen die Sprache ihres Verbandes - und können diese ganzen technischen Begriffe der politischen Bildung einfach am besten übersetzen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ja. Ich denke da ein Projekt in Thüringen. Da kooperieren wir mit einer Feuerwehrfrau, die diesen Job mit Leib und Seele macht. Die weiß, wie man sich nach einem stundenlangen Dienst fühlt, für den man Familie und Job hintenangestellt hat - und für den man dann hinterher nichtmal ein Dankeschön bekommt. Diese Frau kennt die Sorgen der Vereinsmitglieder und, ganz wichtig, sie spricht ihre Sprache.

Das heißt, man sollte vielleicht weniger mit dem Label „demokratische Bildung“ arbeiten?

Das muss zumindest nicht auf jeder Aktion draufstehen. Ich halte es für wichtiger, dass man die Themen aufgreift, die die Ehrenamtlichen beschäftigen. Und wenn man darüber ins Gespräch gekommen ist, kann man auch über demokratische Werte sprechen oder darüber, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt befördert. Das geht aber nur dann gut, wenn man die Menschen in ihrer Lebenswelt erreicht.

Wie ist Ihr Eindruck nach der Jahreskonferenz? Sind die Aktiven müde oder motiviert?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Ich denke, die die müde und frustriert sind, sind das häufig, weil sie erleben, dass sie mit ihren Angeboten nicht ankommen. Da kann es sinnvoll sein, sich nicht weiter wie ein Hamster im Laufrad mit denselben Konzepten abzustrampeln, sondern zu hinterfragen, warum bestimmte Dinge nicht wirken. In solchen Momenten sind Veranstaltungen wie die Jahreskonferenz gut, weil sie Leute mit verschiedenen Ideen und Blickwinkeln zusammenbringt. Das wirkt wie eine Energiespritze.

Das Interview führte Susanne Kailitz.

Mit der Frage, was Akteure der politischen Bildung sich überlegen, um ihre Zielgruppen künftig besser zu erreichen, beschäftigt sich auch die nächste Couragiert-Ausgabe - erhältlich ab 22. August 2017.

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