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von Tom Waurig

Ein Imam im Gefängnis

Mustafa Cimsit

Mustafa Cimsit ist Imam und Gefängnisseelsorger in einer Frankfurter JVA. (Foto: Benjamin Jenak)

Radikale Islamisten nutzen die Orientierungslosigkeit ihrer Mitgefangenen aus, um neue Anhänger zu rekrutieren. Das gelingt, weil die geistliche Betreuung der Muslime in Gefängnissen nur Nebensache ist. Auf Stippvisite bei Mustafa Cimsit.

Mit lautem Surren öffnet sich die schwere Metalltür. Mustafa Cimsit wartet im Eingangsbereich der Justizvollzugsanstalt, gleich neben der gigantischen Schleuse. Allerlei Schlüssel und ein hauseigenes Telefon trägt der Mittvierziger an seinem Hosenbund. Die übliche Sicherheitsprozedur gilt für ihn nicht mehr. Bisweilen gibt es in Deutschland nur wenige Muslime wie ihn, obwohl der Bedarf groß ist. Cimsit ist Gefängnisseelsorger in der JVA Frankfurt am Main I. Sie bietet Platz für ungefähr 600 Insassen. Die Fluktuation ist hoch: ein Teil bleibt nur wenige Wochen, andere mehrere Jahre. Das 2011 eröffnete Gefängnis zählt zu modernsten Untersuchungshaftanstalten.

Cimsit unterhält dort ein kleines Büro. Im Sommer hat er eine 30-Stunden-Stelle angenommen, ist aber schon länger in der Anstalt tätig. Gefängnisse werden immer wieder als Orte der Radikalisierung genannt. Die Haftzeit stehe oft sinnbildlich für einen gescheiterten Lebensweg. Das mache junge Muslime anfällig für einfache Erklärungen, sagen Experten. Allein in Frankfurt I ist gut die Hälfte der Insassen muslimischen Glaubens. Zu Neuankömmlingen findet Cimsit relativ schnell Zugang, weil sich ältere Inhaftierte für ihn aussprechen. „Schreib dein Anliegen doch an den Imam“, heißt es unter den Gefangenen. Sein Vorteil ist, dass er zwar Bediensteter der JVA, aber doch außenstehend ist.

„Ich interessiere mich nicht dafür, was sie verbrochen haben und gebe auch nichts von dem weiter, was sie mir erzählen – weder an andere Insassen noch den Wachdienst.“ Frühmorgens sichtet Cimsit die Anträge in seinem Postfach, erledigt Verwaltungsaufgaben. Anschließend wird jedes Gesuch abgearbeitet. Manchmal geht es um Alltägliches. Cimsit setzt sich für Halal-Produkte ein, besorgt schmuckvolle Gebetsketten, aufwendig verzierte Teppiche und religiöse Lektüre, immer nach Rücksprache mit der Sicherheitsabteilung. Einmal konnte er dank großzügigen Spendern 130 Döner für das Fastenbrechen am Ende des Ramadan besorgen, berichtet er stolz.

Die Zuschreibung des Kümmerers treffe ohne Zweifel zu: „Die Insassen brauchen jemanden, mit dem sie ihr persönliches Leid teilen können – jemand, der zuhört, mit ihnen betet oder den Koran liest.“ Es dürfe allerdings keine Eintagsfliege bleiben. Unwohl fühlt sich Cimsit nicht in so engem Kontakt mit den Häftlingen. Er hat Zugang zu den Zellentrakten – ein Vertrauensbeweis der Gefängnisleitung. Mit einem kleinen Transponder bewegt er sich über das Gelände. „Guten Tag, Herr Cimsit“, tönt es durch eines der vergitterten Zellenfenster ... [weiterlesen]

Die komplette Geschichte lesen Sie im Heft. In der neuen Couragiert-Ausgabe geht es um Wege aus der Radikalisierung und den Umgang mit religiös begründetem Extremismus.

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