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von Torsten Schmotz

Kompass für den Förderdschungel

Beantragung

Fördermittel bedeuten Geben und Nehmen. (Foto: Maik Meid / flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

In Deutschland werden jährlich bis zu 33 Milliarden Euro in Form von Fördermitteln für gemeinnützige Organisationen und deren Projekte bereitgestellt. Die Herausforderung ist, bei der Fülle an Ausschreibungen und Programmen die Übersicht zu behalten.

Über Geld spricht man nicht, Geld hat man – dieser Grundsatz gilt noch immer, selbst im Non-Profit-Bereich. Doch gerade Vereine und Initiativen aus dem Bereich des bürgerschaftlichen Engagements oder der politischen Bildung sind darauf angewiesen, sich immer wieder neue Finanzierungsquellen für ihre Projekte und Aktivitäten zu erschließen. Es ist für ihre Arbeit existenziell. Die Gewinnung von Spendern und Sponsoren ist etwas, was die meisten Organisationen in den Blick genommen haben. Das Potenzial aber, private und öffentliche Förderprogramme zu nutzen, wird noch selten genutzt.

Ein erstes großes Hindernis ist sicher der unübersichtliche „Förderdschungel“. Viele schrecken allein schon vor dem Aufwand bei der Antragstellung und Projektabwicklung zurück. Das ist bedauerlich, weil Fördermittel und Zuschüsse Non-Profit-Vorhaben finanziell entlasten können. Im Gegensatz zum hart umkämpften Spendermarkt ist die Konkurrenz in einigen Förderbereichen noch überschaubar. Es kommt immer wieder vor, dass Fördermittelgeber ihr Geld nicht losbekommen, weil keine passenden Projektanträge gestellt werden oder es an der nötigen inhaltlichen Qualität fehlt.

Förderlandschaft: Vergebene Potenziale

Die Summe der privaten und öffentlichen Fördermittel, Zuschüsse, Finanzhilfen oder Zuwendungen in Deutschland ist eindrucksvoll. Für den gemeinnützigen Sektor stehen jedes Jahr, grob überschlagen, zwischen 27 und 33 Milliarden bereit. Das ist mehr als das Dreifache im Vergleich zu den Spenden- und Sponsoringeinnahmen. Fördermittel sind freiwillige Leistungen, die auf Antrag vergeben werden – in der Regel zweckbezogen. Um dies auch zu sichern, räumt sich der Mittelgeber ein Prüfungsrecht ein. Im Gegensatz zu gesetzlichen Regelleistungen gibt es bei Fördermitteln keinen Rechtsanspruch auf die Vergabe.

So bunt wie das gesellschaftliche Leben, ist auch die Förderlandschaft selbst. Grundsätzlich lassen sich im gemeinnützigen Bereich sechs Hauptbereiche unterscheiden: Bildung und Soziales, Kunst und Kultur, Umwelt- und Klimaschutz, Entwicklungshilfe, Wissenschaft und Forschung sowie Sport. Aktivitäten der politischen Bildung und des bürgerschaftlichen Engagements lassen sich dabei je nach Ausrichtung verschiedenen Bereichen zuordnen. Je nachdem ob ein Antirassimusprojekt in der Schule stattfindet, in eine Kunstaktion integriert wird oder sich auf Sportvereine richtet.

In Einzelfällen können aber auch Förderbereiche der Arbeits-, Struktur- und Wirtschaftsförderung für die Vereinsarbeit relevant sein, also zum Beispiel: Arbeitsmarktpolitik, Landwirtschaft, Ernährung, Verbraucherschutz, Forschung und Innovation, Strukturpolitik, Verkehr, Wohnungs- und Städtebau.

Mittelgeber verfolgen immer einen Zweck

Förderinstitutionen haben eine klare Ausrichtung, welche Aktivitäten, Themen und Zielgruppen sie fördern möchten. Gleichzeitig werden andere Bereiche kategorisch ausgeschlossen. Informationen zur Förderpolitik findet man zum Beispiel in der Satzung, in den Förderkriterien oder -bedingungen und anhand der in der Vergangenheit geförderten Aktivitäten.

Die Bundeszentrale für politische Bildung beispielsweise fördert Modellprojekte und Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Erprobung neuer Wege in der politischen Bildung, das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend fördert Projekte zur Radikalisierungsprävention im Internet, die Aktion Mensch inklusive Kleinprojekte, die örtliche Sparda-Stiftung unterstützt eine öffentliche Konzertveranstaltung.

Fördermittel bedeuten Geben und Nehmen

Generell gilt, die Grundlage jeder Fördermittelvergabe ist ein Austauschprozess:

Stellen wir uns folgendes vor: Der Antragsteller möchte eine bestimmte Aktivität durchführen, zum Beispiel eine Freizeitmaßnahme für Jugendliche aus verschiedenen sozialen und kulturellen Milieus. Es handelt sich etwa um einen regionalen Träger der Jugendarbeit, der mit einer neuen Maßnahme sein Programm attraktiver gestalten will, um neue Zielgruppen anzusprechen und das vorhandene Personal besser auszulasten.

Um einen passenden Förderer zu finden, braucht es eine Institution, welche die gleiche Zielgruppe hat, in unserem Beispiel junge Menschen mit und ohne Benachteiligungen. Zusätzlich müssen die Wirkungen der Maßnahme zu den Vorstellungen des Mittelgebers passen – beispielsweise eine Verbesserung des lokalen Freizeitangebots, die Förderung von Benachteiligten und der sozialen Inklusion. Eine Förderbeziehung geht über das geschäftliche Verhältnis zwischen Zahlungsgeber und Empfänger hinaus – vergleichbar mit der Vergabe von Krediten durch die private Hausbank.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Förderbeziehung ist eine vertrauensvolle Partnerschaft zwischen Förderer und Gefördertem. Die Förderinstitution hat dabei ihre eigene Perspektive auf das Vorhaben. Darauf müssen sich Engagierte bei der gesamten Kommunikation mit dem potenziellen Förderpartner einstellen. Konkret sind die folgenden Fragen des Partners überzeugend zu beantworten:

  • Kann man Ihnen als Projektträger grundsätzlich sein Geld anvertrauen?
  • Ist Ihnen die inhaltliche und fachliche Umsetzung des Projekts zuzutrauen?
  • Erfüllt Ihr Projekt den eindeutig definierten Zweck der fördernden Organisation?
  • Passen Sie als Projektträger hinsichtlich der Denk- und Arbeitsweise, der Wertvorstellungen und der Außenwirkung zum Förderer?

Tipp für die Praxis: Perspektivwechsel

Wenn man mit viel Engagement an seinem Projekt arbeitet, ist der Wechsel in die Perspektive des Förderers nicht immer einfach. Eine besonders große Herausforderung ist es, die entscheidenden Argumente auf den Punkt zu bringen und die Förderinstitution nicht mit zu vielen Informationen zu überfrachten. Daher ist es ratsam, bei der Projektkonzeption und der Antragstellung einen Kollegen um Hilfe zu bitten, der inhaltlich nicht involviert ist. Er soll bewusst die Position eines potenziellen Geldgebers einnehmen und aus dieser Sicht die von ihnen ausgearbeiteten Informationen bewerten, um Betriebsblindheit vorzubeugen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Fördermittel eine gute Möglichkeit der Finanzierung von gemeinnützigen Aktivitäten sind. Antragsteller müssen sich aber klar machen, dass sich die Förderer nicht nur auf die Rolle des Geldgebers reduzieren lassen, sondern dass sie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe erwarten.

Torsten Schmotz ist Fördermittelexperte mit über 18 Jahren Berufserfahrung. Auf seinem Blog www.blog-foerdermittel.de schreibt er regelmäßig über den Fördermarkt. Die von ihm gegründete Agentur Förderlotse bietet Beratungs- und Qualifizierungsangebote (www.foerder-lotse.de). In der nächsten Kolumne stellt er verschiedene Förderbereiche genauer vor. Dabei werden sowohl öffentliche Mittel von Kommunen, Bundesländern, Bund und Europäischer Union, als auch private Fördertöpfe von Stiftungen und Förderfonds berücksichtigt.

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