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von Tom Waurig

Stolpersteine: Die Geschichte hinter den Namen

Pokémon-HYPE

Per Handykamera wird der Stein anvisiert, um biografische Daten abzurufen. (Foto: Norman Fischer)

Smartphone-Nutzer irren dieser Tage durch die verwinkelten Ecken deutscher Städte und machen selbst vor Gedenkstätten, Museen oder Friedhöfen nicht halt. Gebannt starren sie auf ihre Displays, in der Hoffnung nach dem großen Fang. Das Spiel Pokémon Go hat einen Hype ausgelöst, der auch Datenschutzbedenken mühelos vergessen lässt. Die Entwickler setzen auf Augmented Reality - eine nocht recht junge Technologie, mit der sich allerdings deutlich mehr anfangen lässt, als nur virtuelle Monster zu sammeln.

Nahezu 60 000 Betonwürfel hat der Künstler Gunter Demnig schon verlegt. Seine Stolpersteine zieren Europas Fußgängerzonen und erinnern an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Doch kaum einer kennt die Geschichte hinter den Namen, die auf den Messingplatten eingraviert sind. Moderne Technik schafft Abhilfe. Die Idee heißt Augmented Reality – eine Erweiterung der Realität durch digitale Informationen. Per Handykamera wird der Stein anvisiert, um biografische Daten abzurufen, die sonst schwer auffindbar wären.

„Der Einsatz von Tablets und Smartphones bietet neue und jugendgemäße Methoden für die historische Bildung“, erklärt der Berliner Medienpädagoge Michael Lange. Noch sind nicht alle Probleme ausgeräumt, aber die App funktioniert. Das technische Verständnis hat sich Entwickler Norman Fischer während eines halbjährigen Praktikums in Shanghai angeeignet.

Ungeklärt sei derweil die Frage, wie sich schlechte Witterung auf die Scanqualität auswirkt. Darüber hinaus mangelt es an verwertbaren Inhalten: „Eine umfassende App kann nur auf Basis einer aktiven Community erstellt werden, die den Aufbau einer Datenbank begleitet.“ Immerhin gibt es ähnliche Projekte in Kiel, Bochum und Berlin.

Fischers Ideen gehen aber noch deutlich weiter: „Neben der Scananwendung könnten eine Karte, News, Bildergalerien und Videodokumentationen eingebunden und per Klick erreichbar werden“. Mit der nötigen Unterstützung hält der Wuppertaler auch eine Kopplung an die sozialen Netzwerke für möglich, um mit den Inhalten zu interagieren.

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